Der verschwundene Tresor

Bild Der verschwundene Tresor

Chemnitz, den 07.09.2020

Bild Der verschwundene TresorDie neuen digitalen Welten haben – teils unbemerkt – zu grundlegen-den Veränderungen geführt. Neue Risiken haben sich eingeschlichen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Von Matthias Kirchhoff (Geschäftsführer und Gründer von digitronic)

Nur ein dunkler Schatten auf dem Teppich des Chefbüros erinnert möglicherweise noch an ihn. Wenn wir uns heute genau in vielen Büros umschauen, dann fällt es uns vielleicht auf: Es gibt ihn nicht mehr – den Stahlschrank oder Tresor. Mehr als hundert Jahre lang war es eine Selbstver-ständlichkeit, dass wichtige und vertrauliche Dokumente in diesen schweren, klobigen, aber Si-cherheit und Verlässlichkeit ausstrahlenden Ungetümen aufbewahrt wurden. Bargeld, Schecks, Verträge, Personalunterlagen, Kassenbücher, Patente, Rezepturen, Baupläne u. v. m. – alle Schät-ze eines Unternehmens wurden dort verwahrt. Meist gab es zwei Schlüssel, wovon in der Regel einen die Chef-Etage und einen die Direktion persönlich verwahrte. Neben dem Autoschlüssel wurde der Schlüssel zum Tresor oft bei sich getragen und jederzeit vor Verlust bewahrt. Wurde der Tresor geöffnet, dann nie für eine lange Zeit. Nur wenige Minuten stand die Tür offen, um Doku-mente zu entnehmen oder zurückzulegen.

Der Tresor

Er bot Schutz vor Diebstahl, Brand und unberechtigten Blicken. Er sicherte den Kern des Geschäf-tes, der den Erfolg bestimmt oder die Position am Markt überhaupt möglich macht und sorgte für absolute Vertraulichkeit, da die berechtigten Benutzer klar definiert waren.

Doch wo ist er geblieben und warum hat er sich entbehrlich gemacht? Die digitale Welt hat Einzug gehalten und viele greifbare Dinge in virtuelle Daten verwandelt. Bargeldloser Zahlungsverkehr ist längst Usus, Aktien liegen in Online-Depots, Schriftverkehr wird via E-Mail erledigt, Akten und Zeichnungen sind als Datei abgelegt. Die Schätze des Unternehmens, seine Kernkompetenz und alles Wissen sind gespeichert auf Festplatten, USB-Sticks, in Netzlaufwerken und seit geraumer Zeit auch in der Cloud. Von vielen Daten existieren Kopien, unterschiedliche Bearbeitungsstände, Ab-bilder an verschiedenen Speicherorten. 99 % aller digitalen Daten sind heute unverschlüsselt abge-legt, lediglich geschützt durch einen mehr oder weniger schnell überwindbaren Passwortschutz an den einzelnen Arbeitsplätzen. All das in einer vernetzten Welt verbunden via Internet in einem riesigen Netzwerk mit Milliarden von Teilnehmern.

Die digitale Welt

Sie eröffnet uns neue Möglichkeiten und Welten. Sie gibt uns eine globale Chance und lässt ein Agieren rund um den Erdball zu. Aber wie steht es um die Sicherheit und Vertraulichkeit unserer Daten? Längst sind diese nicht mehr so sicher wie im alten Tresor und leider sind wir auch nicht mehr allein im Besitz des Schlüssels dazu.

Was hat sich seitdem geändert? Was ist in den letzten Jahren geschehen? Es ist anzunehmen, dass die Bedrohungslage für unsere vertraulichen Daten größer geworden ist und der Schutz kaum oder nur punktuell verbessert wurde. Die im Zuge der Corona-Krise in hoher Geschwindigkeit geschaf-fenen digitalen Arbeitsmethoden, Home-Office-Arbeitsplätze, Online-Vorlesungen und vieles mehr bieten zwar die nötige Flexibilität im Arbeitsleben, aber kaum eine der Anwendungen und neuen Abläufe ist ausreichend professionell vor Datenklau und Missbrauch geschützt.

Unser Appell

Dabei könnte es so einfach sein, denn starke Authentifizierungsverfahren und Software für zuver-lässige Netzlaufwerkverschlüsselung lassen sich binnen kürzester Zeit einrichten und sorgen dafür, dass Daten entweder gar nicht erst abgefangen werden können oder wenn doch, für den Hacker nicht lesbar sind. Daher unser Appell: Prüfen Sie Ihre Sicherheitsmechanismen – vor allem bei den digitalen Arbeitsmethoden, die erst kürzlich ggf. aus Notsituationen heraus entstanden sind. Damit Sie jetzt und auch in Zukunft digitale Freiheit ohne Risiko genießen können. Es ist ein kleiner Schritt, wenig Aufwand und eine überschaubare Investition. Sie müssen es nur tun: als Unternehmer, als Schuldirektor/in, als Chefarzt/ärztin, als Verantwortliche/r. Weil es dafür – mehr als bisher – an der Zeit ist.